Kurzarbeit, Lieferservice und Online sind die unternehmerischen Schlagworte der Corona-Krise. Für viele Branchen waren und sind sie die Rettung. Eine Berufsgruppe, die kaum etwas davon hat(te), ist die der Veranstalter. Sie wurde von Lockdown und Social Distancing besonders hart getroffen. Doch es gibt auch Storys aus der Event-Branche, die Hoffnung machen.

Wie die Event-Branche der Corona-Krise trotzt© Foto: metamorworks/Shutterstock

 
Zwei, die alles aus der ersten Reihe miterleben, sind Brigitte Nußbaum, Geschäftsführerin der Münchner Event-Agentur Trendhouse Event Marketing sowie Sören Bauer, Event-Manager und Gründer der Sören Bauer Events in Hamburg. Sie schilderten uns ihre Eindrücke.

Desaströse Lage

Monatelang keine Live-Veranstaltung – Künstler, Gastgeber und alle Macher aus der Event-Branche zählen zu den am schlimmsten Geschädigten in Corona-Zeiten. “Die Lage war absolut desaströs”, bestätigt Brigitte Nußbaum. “Von heute auf morgen prasselten Stornos, Absagen und Verschiebungen auf uns ein. Die ganze MICE-Branche war gecrasht: Agenturen, Technikfirmen, Caterer, Künstler, Messebauer…”.

Ein schnelles Umschalten auf Abstandhalten und virtuelle Lösungen war für eine Branche kaum machbar, für die Nähe unabdingbare und bisher nie in Frage gestellte Grundvoraussetzung bedeutete. Sören Bauer: “Ein komplettes Berufsverbot, welches im Großen und Ganzen ja immer noch besteht, ist eine Herausforderung, die sich niemand in der Eventbranche vorstellen konnte. Deshalb war und ist darauf niemand vorbereitet.” Und aktuell? Auch nach den Lockerungen und ersten zaghaften Neustartversuchen habe sich substanziell bis heute nichts geändert, bilanziert Brigitte Nußbaum.

Neue Ideen und alte Stärken

Erst nach und nach reifen gute Event-Ideen und werden erfolgreich oder zumindest erfolgversprechend umgesetzt. Die ersten waren Live-Konzerte, Shows und andere Schalten über die Videochat-Kanäle. Inzwischen betreten sogar Großveranstaltungen wie etwa Messen aufgrund der Corona-Auflagen digitales Neuland: So wird die DMEXCO, Europas größte Fachmesse für Online-Marketing, am 23. und 24. September 2020 erstmals den DMEXCO@home-Weg gehen: Mehrere virtuelle Ebenen sollen die Interaktion von Besuchern, Austellern und Speakern möglich machen. Auch die Startup-Konferenz “Bits & Pretzels”, traditionell zur Oktoberfest-Zeit in München und bisher mit realen Laptops und Lederhosen abgehalten, wird diesen Herbst als virtuelle “Networking Week” stattfinden – den nicht geringen Anspruch “We unsuck virtual events” untermauern die Veranstalter per abgefahrener Videobotschaft. Dass es aber auch (wieder) einigermaßen analog gehen kann, zeigt beispielsweise das erste Auto-Theater im Breuninger-Parkhaus in Stuttgart, das von Presse und Publikum gleichermaßen gelobt wird.

Solche unkonventionellen, neuartigen Projekte erfordern sehr viel Mut und Waghalsigkeit, zeugen aber auch vom angestauten Frust bei den bisher so arg ausgebremsten Event-Machern und -Marketern.

Auch Brigitte Nußbaum und Sören Bauer schafften es, ihrem unterdrückten Tatendrang wieder ausreichend Raum zu geben. Nußbaum ist davon überzeugt, dass digitale Events funktionieren, wenn sie gut gemacht und von einer starken Geschichte getragen wären. Die Trendhouse-Chefin besann sich einer der Stärken, die ihr Team schon vor Corona ausmachte – Storytelling: “Das Bedürfnis nach Erlebnissen und inszenierten Botschaften ist durch den coronabedingten Abstand nicht kleiner geworden. Ganz im Gegenteil. Deswegen haben wir beschlossen, das Storytelling zu forcieren und es – den Umständen und Verordnungen entsprechend – auch auf digitale und hybride Formate zu übertragen.” Gamification, Second-Screen-Einbindung, Augmented und Virtual Reality seien dabei die Stichworte.
Sören Bauer entwickelte schnell Konzepte, um seine Eigenproduktionen von Real-Events in Online-Events umzuwandeln. Auch neue Produktionen kamen dabei heraus, allen voran die Networking Plattform FaceClub, auf der aktuell bis zu drei Online-Events pro Woche stattfinden. Dazu gehörte auch die Welt-Premiere des ersten Online-Live-Theaterstücks “Gut gegen Nordwind” mit Ralf Bauer in der Hauptrolle. “Damit verdienen wir natürlich nicht das Gleiche wie vorher, aber wir zeigen Präsenz, unterstützen unser Netzwerk, unterhalten es und produzieren relevanten Content”, so der Event-Manager.

Höherer Aufwand, aber solidarische Kunden

Keine Frage, dass auch das Umfeld und die Kunden aus Vor-Corona-Zeiten den Enthusiasmus der Event-Macher teilen und den höheren konzeptionellen, technischen, schauspielerisch-inszenatorisch und logistischen Aufwand würdigen müssen. Das sei aber mehr als der Fall, bestätigt Brigitte Nußbaum: “Die Krise bringt uns und unsere Kunden noch näher zusammen. Wir haben solche, die gerade jetzt weiter kommunizieren wollen. Die mit uns an innovativen Konzepten arbeiten, um ganz neue, überraschende Erlebniswelten zu öffnen.” Auch Sören Bauer ist netzwerktechnisch bestens aufgestellt und kann sich eines umfangreichen und modernen Teilnehmermanagements bedienen.

Zurück in die Event-Zukunft?

Wie geht es weiter? Wird es für die Event-Branche ein einfaches Zurück zu den zu den Vor-Corona-Zeiten geben? Brigitte Nußbaum glaubt das nicht. Es werde aber auch nicht zu einer kompletten Virtualisierung des Lebens kommen.”Für uns als Eventler bleibt unsere ureigenste Aufgabe bestehen: Wir bereiten weiter dem Erlebnis nach allen Regeln der Storytelling-Kunst große Bühnen. Dazu müssen wir unser Skill-Set ständig erweitern und alle verfügbaren Plattformen für unser “Staging” nutzen.” Sören Bauer sieht das ähnlich: “Events werden bis Anfang oder sogar Mitte 2021 echte Herausforderungen.” Nach wie vor glaube er an eine große Zukunft für Veranstaltungen, “wenn vielleicht auch in veränderter Form. Online-Events werden uns sicherlich als neuer Bestandteil des Lebens erhalten bleiben.”

 

Interview: Wie die Event-Experten Brigitte Nußbaum und Sören Bauer der Corona-Krise trotzen – Airmotion MediaDie Event-Experten Sören Bauer und Brigitte Nußbaum© Fotos: Sören Bauer Events / trendhouse event marketing

 
 

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