Joe Pulizzi hat einen großen Namen in der digitalen Marketing-Szene weltweit und gehört zu ihren meistzitierten Autoren. Bereits 2007 bloggte der US-Amerikaner rund um das Thema Content Marketing – und etablierte den Begriff. Wir baten den „Content-Marketing-Evangelisten“ um seine Einschätzung der Lage, speziell in Deutschland.

Joe Pulizzi gab Airmotion Media ein Interview zum Stand von Content Marketing und Native Advertising

Airmotion Media: Herr Pulizzi, in welcher Content-Marketing-Phase befinden sich deutsche Unternehmen im Vergleich zu Unternehmen aus den USA?

Joe Pulizzi: Im Vergleich zu anderen Ländern waren und sind die Deutschen sehr stark im Print-Content-Marketing. Aus diesem Grund verläuft wohl der Übergang zum digitalen Content, wie Podcasts oder Social-Media-Inhalten, weniger glatt. Deutschland hängt den Entwicklungen, wie sie derzeit in den USA stattfinden, etwa um ein Jahr hinterher.
 

In welchen Bereichen haben wir den stärksten Nachholbedarf?

Im Bereich des Audio-Content, der Podcasts im Speziellen, aber auch bei Video und Social Media. Der Markt für stimmbasierten Content hat ein riesiges Wachstumspotential. Das resultiert aus den immer populärer werdenden Produkten, die eine Steuerungs- oder Suchfunktion via Sprache bieten. Amazon Echo und Google Home sind nur zwei Anwendungsbeispiele.
 

Sollte es im Hinblick auf Content Marketing eine Organisation geben, die einen Standard und damit gleichbleibende Qualität von Inhalten verspricht?

Deutschland hatte schon immer einen starken Verband für Corporate Publishing: das ehemalige Forum Corporate Publishing, das jetzt Content Marketing Forum e.V. heißt.
 

 Wird Native Advertising zu Recht kritisch diskutiert?

Native Advertising ist quasi die Einstiegsdroge zum Content Marketing. Grundsätzlich gilt: Unternehmen nutzen Inhalte auf (nativen) Plattformen, um ihre spezifischen Content-Marketing-Plattformen aufzubauen. Das ist eine wahnsinnig tolle Art und Weise, seinen eigenen Content zu vermarkten und Aufmerksamkeit zu generieren. Das dadurch gewonnene Publikum kann später auf weitere Plattformen desselben Unternehmens verteilt werden.
 

Und welches Potential haben Online-Advertorials?

Das ist für mich dasselbe wie beim Native Advertising. Der Schlüssel zum Erfolg ist sicherzustellen, dass der produzierte Content wertvoll ist. Dabei sollte es nicht um die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens gehen.
 

Wenn wir über erfolgreiche Content-Marketing-Kampagnen sprechen, welche sind das?

Das RedBull Media House hat ein nahezu perfektes Kampagnen-Modell. Des Weiteren Arrow Electronics – ein „Fortune 500“-Unternehmen, welches zum größten Medienunternehmen im B2B-Bereich für elektronische Ersatzteile geworden ist. Genauer gesagt: durch organisches Wachstum und klassische Akquise. Ebenso Procter & Gamble: Die betreiben schon sehr lange Content Marketing. Nämlich seit Beginn der „Seifenoper“-Ära [in den 1930ern, die der Konzern selbst begründete].
 

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Nennen Sie uns drei Punkte, welche maßgeblich für den Erfolg einer Content-Marketing-Kampagne verantwortlich sind.

Erstens, das Publikum muss korrekt angesprochen werden. Der Fokus muss darauf liegen, wertvollen, erkennbar differenzierten und einzigartigen Content zu liefern.
Zweitens sollte ein Unternehmen oder eine Marke seinen Content (Blog, Podcast, Magazine, Events, usw.) auf einer Plattform gebündelt haben. Es ist besser, die Zielgruppe auf einer Plattform zu haben, als diese zu zwingen, auf verschiedene Plattformen auszuweichen.
Und zum Dritten muss die Veröffentlichung des Contents regelmäßig und zuverlässig passieren (täglich, wöchentlich, monatlich). Die Bereitstellung von Content ist ein Versprechen an die Zielgruppe – und die konstante Lieferung von neuen Inhalten ist der beste und erfolgversprechendste Weg, eine treue User-Gemeinde aufzubauen.
 

Und bitte verraten Sie uns zum Schluss, worauf ein Unternehmen bei der Suche nach der passenden Marketing-Agentur unbedingt achten sollte.

Punkt eins: Hat die gewünschte Marketing Agentur bereits ein Content-Marketing-Portfolio? Falls nicht, weitersuchen!
Punkt zwei: Die Agentur muss ihre anvisierte Zielgruppe kennen und wirklich verstehen!
 

Herr Pulizzi, wir bedanken uns vielmals für das Interview!
(Aus dem Englischen übersetzt)
 

Joe Pulizzi: Native Advertising ist die Einstiegsdroge

Zur Person:

Joe Pulizzi ist Bestseller-Autor von „Killing Marketing“, „Content Inc.“ und „Epic Content Marketing“, das vom Fortune Magazine als „Must-Read Business Book“ ausgezeichnet wurde. Der US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln kann aber nicht nur Fachbücher. Sein Thriller-Roman „The Will to Die“ handelt von einem mysteriösen Mord in einer Kleinstadt…
Das renommierte Content Marketing Institut öffnete unter seiner Leitung. Außerdem ist er für zahlreiche Events verantwortlich. Das „Content Marketing World“ in Cleveland, USA, ist nur eins davon. Sein Podcast „This Old Marketing“ wird regelmäßig von Millionen Zuhörern aus 150 Ländern verfolgt. Seine Stiftung „The Orange Effect“ ermöglicht Kindern die Teilnahme an Sprachtherapien in über 25 US-Staaten.

 
 

© alle Fotos: Joe Pulizzi

 

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