Eine gefühlte Ewigkeit war “viel Text” verpönt. Unter den Online-Marketern galt Kürze als das Maß aller Dinge. Dem gemeinen Internet-User fehle es an Zeit, Geduld, Interesse und Willen, sich mit größeren Stücken Content abzugeben. Längere Inhalt würden sehr schnell weggeklickt. Seit ein paar Jahren stellt sich heraus, dass das Gegenteil der Fall ist: Long-Form Content zahlt sich aus!

Lang, länger: Long-Form Content zahlt sich aus – Airmotion Media© Foto: Masarik/Shutterstock

 

Wie lang ist Long-Form Content?

Ab einem Umfang von rund 1.200 Wörtern darf man bei einem Beitrag von Long-Form Content sprechen. Andere Quellen nennen eine minimale Textlänge von 2.000 und ein Maximum von 10.000 Wörter. Das erscheint natürlich viel. Und in der Tat steckt eine Menge Zeit hinter der Umsetzung solcher “Brocken”, die aus Qualitätsgründen bereits bei der gründlichen Recherche beginnen sollte.
Dass sich die Investition in umfangreiche (und gute) Beiträge lohnt, untermauert eine ganze Reihe von Vorteilen:
 

Fünf Vorteile langer Texte

  • Long-Form Content sammelt signifikant mehr Backlinks
    Wie eine Studie von Moz belegt, dass ein direkt nachweisbarer Zusammenhang zwischen der Länge des Textes und der Anzahl an Backlinks besteht: Umfangreicher Content generiert mehr Backlinks. Eigentlich logisch, denn je mehr Inhalte ein Beitrag bietet, umso mehr Möglichkeiten gibt es, diese auf anderen Websites zu verlinken. Durch eine hohe Anzahl Backlinks wird auch die Position auf den Trefferlisten der Suchmaschinen positiv beeinflusst. Womit wir schon den nächsten Vorteil angeschnitten hätten:
  • Long-Form Content verbessert das Ranking
    Beiträge, deren Wörterzahl zwischen 2.250 und 2.500 liegt, erzielen laut einer HubSpot-Studie am meisten organischen Traffic. Damit landen sie ganz weit oben im Google-Ranking. Google selbst räumt ein, dass es den Nutzern gezielt Beiträge mit längeren Inhalten vorschlägt, da diese in der Regel detaillierter um damit besser informieren würden. Es macht also Sinn, seiner Zielgruppe Beiträge mit mehr Tiefe und Inhalt zu bieten.
  • Long-Form Content erhöht die Nutzer-Bindung
    Je länger ein User mit einem Beitrag beschäftigt ist, umso länger gehört auch seine Aufmerksamkeit der Website. Selbstverständlich sollte dafür der Content gut formuliert und recherchiert sein: Denn nur mit hochqualitativen Beiträgen erarbeiten Sie sich das Image, eine Autorität auf Ihrem Gebiet zu sein. Und ist es nicht vorteilhaft und erstrebenswert, als Experte wahrgenommen zu werden, am besten langfristig? An dieser Stelle holen sich viele Unternehmen professionelle Content Provider ins Boot, damit der Schuss nicht nach hinten losgeht.
  • Long-Form Content steigert die Conversion Rate
    So gut wie jeder weiß, dass in Blogbeiträge direkte Handlungsaufforderungen und entsprechend Schaltflächen eingearbeitet gehören. Dass diese Call-to-Actions (CTAs) mit steigender Wörterzahl häufiger geklickt werden, wissen nur die wenigsten. Lange Inhalte befeuern die Conversion Rate, hat die renommierte Londoner Agentur Highrise Marketing am eigenen Leib getestet und erfahren: Der Wechsel auf Long-Form Content brachte ihrer Homepage eine Conversion-Zunahme von ganzen 37 Prozent.
  • Long-Form Content wird häufiger geteilt
    Eine Studie von BuzzSumo kommt zu dem Schluss, dass mit der Anzahl der Wörter eines Textes auch die Anzahl der Shares steigt. Wie kann das sein, wo doch scheinbar niemand mehr Lesezeit aufbringt?
    Die Leser schätzen und würdigen Texte, die ihnen den größten Mehrwert bieten. Selten finden sie diese in der Masse des “Alles-schon-mal-irgendwo-Gelesenen” – ähnlicher (schwacher) Kurztexte, die sich meist darauf beschränken, stichpunktartig Aussage für Aussage aufzulisten. Ganz vorne in der Gunst liegen die wenigen Perlen, die zwar ausführlich und umfangreich sein mögen, aufgrund ihrer guten, informativen und vielleicht sogar unterhaltsamen Schreibe echte Allround-Unikate darstellen. Und die größten Perlen werden im Netz am liebsten weiterverbreitet.

Von der Theorie zur entsprechenden Praxis – mit den
 

Fünf Tipps, mit denen lange Texte Fahrt aufnehmen

  • Fesseln Sie Ihr Publikum mit einer guten Struktur
    Drauf losschreiben ohne Strich und Faden kann fast jeder. Doch unstrukturierte Texte stressen den Leser – erst recht, wenn sie umfangreich und tiefgründig sind. Weit voraus ist daher der Schreiber, der die Highlights des Inhalts in markanten Absätzen präsentiert. Oder auch etappenweise immer wieder kurz zusammenfasst, Beispiele auslagert, Listen bietet usw. Diese gut verdaulichen Happen lassen sich idealerweise auch oft nahtlos in den sozialen Medien posten. So fördern Sie die Aufmerksamkeit der Nutzer und steigern die Chance, dass Ihr Beitrag geteilt oder sogar komplett gelesen wird (Verweildauer).
  • Erleichtern Sie das Teilen längerer Content-Stücke
    Das Phänomen, dass User anspruchsvolle Texte gerne teilen, sollten Sie ganz gezielt ausnutzen. Kommen Sie diesem Drang entgegen, indem Sie die “Praxis des Teilens” einfach und unkompliziert gestalten. Die Share-Optionen sollten direkt in den Content eingefügt werden. Beispielsweise mit gut sichtbar platzierten Share-Buttons über den gesamten Text verteilt – sinnvollerweise dort, wo es am meisten zu “holen gibt”, wie etwa besonders markante Sätze. Die Nutzer können diese dann einfach anklicken und direkt über ihre Social-Media-Feeds teilen. Klar, einen gewissen Extraaufwand fordert das Ganze schon von Ihnen – die Extrareichweite macht ihn aber mehr als wett!
  • Denken Sie an den Stil der verschiedenen Social-Media-Plattformen
    Jede Social-Media-Anwendung zeichnet sich durch einen ganz charakteristischen Stil aus. Für die Nutzer ist dadurch schon auf den ersten Blick erkennbar, um welches soziale Netzwerk es geht. Es ist wichtig, diese jeweilige Form, Optik und “Haptik” bereits beim Erstellen des Social-Media-Contents – der Kurzform Ihres langen Textes – im Blick zu haben. Posts bei Facebook müssen anders gestaltet sein als die Tweets bei Twitter. Gehen Sie konform mit den Anforderungen der Anwendung und sichern Sie sich damit die schon rein gewohnheitsbedingte Aufmerksamkeit der Zielgruppe.
  • Pflegen und nutzen Sie Ihre E-Mail-Liste
    Ein mächtiges Tool, mit dem Sie Ihre aufwendige und wertvolle Arbeit zielgenau an das vielversprechendste Publikum bringen, ist Ihre Mailing-Liste. Nutzen Sie diese, um Ihre Abonnenten zu informieren, wann immer Sie neue, umfangreiche Beiträge veröffentlicht haben. Binden Sie in dieser Benachrichtigungs-Mail die Links zum Beitrag und Ihrer Website ein und verpacken Sie sie ansprechend mit einem Teasertext. Auch ein Button, mit dem die Ansicht vergrößert werden kann, ist ein netter Service.
  • Optimieren Sie Ihre Website für Long-Form Content
    Stellen Sie sicher, dass die Besucher Ihrer Website auf den meistfrequentierten Seiten reichlich Gelegenheit erhalten, mit einem Klick auf andere Seiten zu gelangen: gerade auf die, mit Ihren besten, langen Inhalten. Und das Gleiche machen Sie umgekehrt: Umfangreiche Texte bieten meist viele gute Gelegenheiten Call-To-Actions (z.B. für E-Mail-Anfragen) und Links auf die passenden Landing Pages oder ins Glossar zu setzen. So können Sie die Aufmerksamkeit, die ein interessanter langer Beitrag erreicht, gezielt nutzen, um die Wahrnehmung anderer Bereiche zu erhöhen.

 

Lange Texte liegen im Trend

In der Kürze mag vielleicht die Würze liegen. Im Allgemeinen. Speziell im Online-Marketing jedoch darf es jedoch gerne (wieder) deutlich länger sein. Wenn Unternehmen ihre Expertise gebührend untermauern wollen, dann tun sie das inzwischen sehr erfolgreich mit umfangreicheren Beiträgen und Inhalten. Denn selten finden sich mehr oder bessere Gelegenheiten, den Lesern interessante Infos zu präsentieren und Mehrwert mitzugeben.

Nutzen auch Sie diese hervorragende Möglichkeit, eigene Werbebotschaften zu verbreiten und Ihr Image als Experte zu festigen. Bei der Umsetzung dürfen jedoch die Keyword-Strategie und die Gestaltung der Überschriften nicht vernachlässigt werden, sonst läuft SEO-mäßig nicht allzu viel. Auch der Bogen über Social Media gehört gespannt. Und es gilt selbstverständlich: Qualität geht vor Quantität. Die Zahl der Worte allein macht einen Beitrag nicht zum Erfolg. Der Inhalt muss interessant gestaltet und ansprechend strukturiert werden – dann wird er nicht nur gern gelesen, sondern sogar bevorzugt weiterverbreitet.
 

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